Falsche Behauptungen: Journalistik Journal zu Spiegel Online
  Hausmitteilung ;-)

Jemand hat mir netterweise einen Beitrag aus Journalistik Journal (April 2007) zugeschickt, Herausgeber lt. Impressum: Institut für Journalistik, Universität Dortmund Prof. Dr. Horst Pöttker. Ist schon interessant, was der gute Professor Doktor da in Dortmund aus alter Freundschaft so als Journalismus durchgehen läßt.

Ein persönlicher Kommentar vorab. Der Typus des ewigen "Ex-Spiegel-Ressortleiters" bietet gewöhnlich schon für sich genommen einen erbärmlichen Anblick, insbesondere die Abteilung StaMoKap. Aus dem "Journalistik Journal" lernen wir nun, daß es sogar noch eine peinlichere Steigerungsform davon gibt - den G+J Chefredakteur Corporate Media (immerhin, das ist doch nicht übel!) als ewigen "Ex-Spiegel-Online-Ressortleiter".

Wer hätte das gedacht, damals, im Grabenkrieg an der Online-Front, 93/94, als die papiernen Hausmitteilungen von allen Seiten auf uns niederprasselten...

Zur Sache: In dem Erinnerungsaufsatz "Web 0.2: Die Anfänge des Online-Journalismus. Wie der "Spiegel" 1993 und 1994 ins Netz startete" von Uly Foerster schreibt sich ein ehemaliger Salaryman des deutschen Nachrichtenmagazins einen Laufbahnwechsel schön, der immerhin schon zwölf Jahre zurück liegt.

Das ist an sich nicht weiter bemerkenswert. Die Brandstwiete-Bewältigungsliteratur abgehalfterter Spiegel-Soldaten mit PISD (phon. "pissed", steht für Post-Importance-Stress-Disorder) füllt in Hamburg inzwischen so viele Billy-Regale, daß man die Ost-West-Straße damit säumen könnte, rauf und runter.

Wäre da nicht der Umstand, daß er - ungefragt - meinen Namen in seinen Schwurbel mit hinein und heran zieht und sich in dem Zusammenhang an Vorgänge "erinnert", in die er nachprüfbar nicht involviert war. Als das Magazin im Oktober 1994 im World Wide Web startete, war Foerster daran nicht beteiligt.

Er hatte weder inhaltlich, technisch noch redaktionell verantwortlich damit zu tun, und war mit den unmittelbar Beteiligten damals nicht einmal persönlich bekannt. Was mich betrifft, so hat sich das auch in der - für ihn überraschend - kurzen Zeit unserer Zusammenarbeit kaum geändert.

Als Journalist und Autor, u.a. von Unternehmensbiographien ("SAP - Die heimliche Software-Macht", Verlag Hoffmann & Campe), bin ich vertraut mit PISD und dem "False Memory Syndrome", einer weiteren Berufskrankheit der Angestelltenkultur. Zu diesem akuten Fall, in dem ein altgedienter Hamburger Redaktionsbeamter launig angebliche Ressort-Interna von Anno Dunnemals ausplaudert, nur so viel:

Die Behauptungen in den mich (und andere) betreffenden Passagen in "Web 0.2: Die Anfänge des Online-Journalismus. Wie der 'Spiegel' 1993 und 1994 ins Netz startete", veröffentlicht im Journalistik Journal, April 2007, Herausgeber lt. Impressum: Institut für Journalistik, Universität Dortmund, Prof. Dr. Horst Pöttker, sind falsch.

Offenbar wurde der betreffende Beitrag nicht professionell gegengelesen und verifiziert. Tipp für Nachwuchsjournalisten am Institut für Journalistik, Universität Dortmund: die meisten der betreffenden Quellen sind nicht per Google auffindbar. Aber Recherche lohnt sich trotzdem!



Warum sollten die Lehrlinge besser sein als der Meister von der SZ? Medien-Schurnalismus at its best: Ja, warum wohl? Vielleicht deshalb, weil ich nicht "sein Redakteur" war, sondern einem ganz anderen Ressort (K1 - Wissenschaft & Technik, übrigens nachprüfbar im Heft-Impressum) angehörte zum Gründungszeitpunkt der WWW-Spiegelausgabe, und noch für Monate danach? Oder auch deshalb, weil der angebliche "Spiegel-Online-Gründer" erst Wochen später darin involviert wurde, und erst ab dem Folgejahr den Web-Auftritt verantworten durfte?  

Gerd Meissner
im April 2007

P.S. im Juli 2009: Nach zwei Droh-Mails, ohne faktische Beanstandungen der obigen Darstellung, in 2007 und 2009 schickt der Ex-Kollege nun eine Epistel, in der er darauf hinweist, dass Gerichtsstand ab jetzt Deutschland sei. Das wird lustig ;-). Stay tuned.

P.S. im Juni 2010: Neue Fundsache: Bachelorarbeit "Das Maß aller Dinge. Erfolgsfaktorenanalyse des Leitmediums SPIEGEL Online" von Christine Barghoorn, Hamburg 2009. Die oben zitierte Quelle wird darin leider ungeprüft übernommen. Je weiter zurück liegend eine Episode im Dunkel der Vergangenheit, desto abenteuerlicher dann auch die ausschmückende, akademisch dokumentierte Oral History.

Zeugt nicht gerade von Stil, wenn Schnick und Schnack (auf Seite 115 der Bachelorarbeit) einem Ex-Kollegen 14 Jahre später noch Dreck hinterher werfen - und Geschichten von einem "Harley Davidson Motorrad" erfinden, das es nie gegeben hat.

"Ironischerweise", um einen dieser beiden Erinnerungskünstler zu zitieren, sind die beiden zumindest mir nur als - gescheiterte - "Spiegel Online"-Verhinderer in Erinnerung geblieben. Mit Hausmacht und Händen und Füßen setzten sie sich, so stellte es sich damals für mich persönlich dar, gegen alles zur Wehr, was auch nur entfernt nach Innovation in ihrem "EDV"-Bunker roch. Hatte ich schon fast vergessen. Stellt sich heraus, fast forward 2009: die mich offenbar nicht.

Was das gescheiterte Stern-"Cockpit" betrifft, dafür übernehme ich gerne die Verantwortung. "Wer nichts macht, macht auch nichts falsch", war zur selben Zeit die Devise an der Brandstwiete beim Spiegel. Das grossartige Team beim Stern besetzte derweil - anders als beim Spiegel ungebremst durch Print/Online, Ressort- oder Abteilungsschranken - in dieser Phase mit dem, zugegeben, zu "verspielten" Stern-Cockpit das Thema Online in Deutschland. Der Stern heizte damit - zunächst - den Kollegen an der Brandstwiete mächtig ein.

Nachzulesen, samt den dazugehörigen Zahlen, in den einschlägigen Branchendienst-Archiven.

Die daraus resultierende ungelegene Mehrarbeit für die vorherigen Online-Verhinderer beim Spiegel würde die seltsamen Harley-Davidson-Phantasien (Stress-Spätfolgen?) zweier IT-Grufties erklären, die immer noch dem Credo eines längst vergangenen Zeitalters anhängen - wie zitiert in der Bachelor-Arbeit: "wenn man mal falsch liegt, ist das schlecht."

Soso. Solche "Führungskräfte"-Karikaturen kann man gar nicht erfinden, die zeichnet nur das richtige Leben. "Beamten-Mikado" ist alles, was mir dazu noch einfällt. Vielleicht hätte ich sie damals schon fragen sollen: Was raucht ihr da eigentlich in den langen, einsamen Stunden am Computer, wenn mal gerade keine Bachelor-Studentin vorbeikommt, der ihr einen vom Motorrad erzählen könnt?